Ein Befreiungsschlag aus dem Mainstream

Reisen durch Deutschland..

..haut nicht nur Reise-Influencer nach und nach aus den Socken, sondern ist meist günstiger als der Shopping-Trip nach Paris, das verlängerte Wochenende in New York oder der Tauchurlaub in Ägypten und schlägt sich vor allem auch auf die persönliche Umwelt- und Ethik-Bilanz positiv nieder. Die Flugmeilen pro Jahr werden reduziert und der Wohnungsmarkt in ausländischen Städten wird nicht für teure touristische Air BnB-Unterkünfte, die von Berlin über Amsterdam bis Lissabon überall eine ähnliche Hipster-Ästhetik bedienen und gleich aussehen, missbraucht. Wir haben den schönen Gedanken des Home-Sharings kommerzialisiert. Aber das mal nur zwei augenscheinliche Gründe unserer Reise-Ideologie bis 2020 und die wütende Göttin Corona kam.

Stichwort: U.S.A. und Brasilien

Corona verändert unser Zusammenspiel mit dem Reisen. Es wird vermutlich auch in den nächsten Monaten nicht davon geprägt werden, was wir uns wünschen, sondern was möglich ist. Und hier reduzieren sich die Möglichkeiten nicht nur durch womöglich ausfallende Transportmittel wie das Flugzeug, sondern auch Missstände in Destinationen, die durch Corona in den Regierungen mancher Länder getriggert wurden – so wie in den U.S.A. oder Brasilien. Die Bevölkerung ist gespalten und das Ansteckungsrisiko ist vermutlich so hoch, wie in keinem anderen Land. Manche Bevölkerungsgruppen, beispielsweise chinesische Staatsbürger, sind zumindest unter der noch aktuellen Trump-Herrschaft überhaupt nicht mehr im Land willkommen. Und das mal nur eine schräge Konsequenz des politischen Ringelreis so mancher Regierung und Corona.

Reisen war vor Corona zu einfach, zu billig und zu..

..selbstverständlich. Side-Effekte wurden kaum bedacht und fliegen uns nun in Form des Klimawandels oder ethischer Missstände (zum Beispiel wie angeschnitten der verzehrte Wohnungsmarkt) schon jetzt um die Ohren. Schon vor Corona äußerten Regierungen wie die des Staaten-Zwerges Faröer-Inseln, dass sich der Tourismus gerne etwas reduzieren könnte. Auch Bhutan setzt schon lange nicht mehr auf den ungebremsten Tourismus. Das ist aber eine ganz eigene und spannende Geschichte für sich – darüber sollten wir hier schreiben, wird gleich auf die Inspirationsliste genommen.

Überfüllter Strand mit Menschenmassen
Danke an Federico Giampieri für seinen Snap-Shop – Crowded Beach

Wir glauben, es werden immer mehr Staaten folgen, die nicht mehr auf den Massentourismus setzen.

„Der Tourismus zeigt, dass wir uns daran gewöhnt haben, Freiheit als Massenbetrug hinzunehmen“

Hans Magnus Enzensberger, 1958

Aber wer sind diese Massen an Menschen, die das Wort „Overtourism“ gebaren? Sind das immer nur die anderen? Sind wir so besonders und von der anderen Kategorie, dass wir uns nicht dazu zählen müssen? Oder trügt uns hier die eigene Illusion? Sind wir mal ehrlich, das mit der Illusion hat hier schon seine Daseinsberächtigung.

Wir von slowww.me sehen eine Erfüllung im Reisen vor allem mit der Verbindung der Natur, im wahrten Sinne des Wortes erden und in sich kehren um sich aus der strapaziösen Hektik unseres Alltags, indem es immer „abzuliefern“ gilt, herauszulösen und sich und seine Bedürfnisse wieder zu spüren.

Ziele in Deutschland

Und dafür ist Urlaub ja auch gedacht. Wieviele Reisen habe ich hinter mir, aus denen ich mehr erschöpft als erholt zurückkam. Urlaub machen dient vor allem auch der Entschleunigung und Regeneration. Und da sind wir mal ganz vorlaut – das geht auch in Deutschland. Hier mal ein paar deutsche Reise-Inspirationen für euch:

  • Nationalpark Sächsische Schweiz (wir haben darüber in der Vergangenheit erzählt – kurz und knackig hier zu lesen)
  • Das Rote Moor in Hessen
  • Sylvensteinsee und -speicher in Bayern
  • Quedlingburg. Ja, Quedlingburg
  • Archäologischer Park Xanten in NRW

da fällt uns in nächster Zeit noch viel mehr ein – wir halten euch auf dem Laufenden! Oder habt ihr gar Ideen? – Dann packt sie unten in die Kommentarleiste – Yay!

See mit Bergpanorama in Bayern
Danke Karsten Würth für deinen tollen Snap-Shot aus Kanada. Äh, vom Sylvensteinstausee

Dieser Text entstand durch wertvolle Inspiration aus dem Magazin QUARTERLY der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Wenn euch das Thema gepackt hat, holt euch die Ausgabe 01/2021 am nächsten Kiosk und lest passen dazu das Interview des Historikers Valentin Groebner „Tourismus hat mit Freiheit nichts zu tun“. Er schrieb das Buch mit dem Titel „Ferienmüde. Als das Reisen nicht mehr geholfen hat“

Kaffee aufbrühen, auf die Couch werfen, Wolldecke über die Beine und in der QUARTERLY versinken. I call it a Sunday Morning 🙂


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